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Inhalt

Im Pazifikkrieg werden die Marines Joe Enders (Nicolas Cage) und „Ox“ Henderson (Christian Slater) per Geheimbefehl abgestellt, als eine Art Leibwächter für die Funker Ben Yahzee (Adam Beach) und Charlie Whitehorse (Roger Willie) zu fungieren. Die beiden Navajos beherrschen einen speziellen Code, der auf keinen Fall in die Hände der Feinde gelangen darf. Die erbitterten Kämpfe um die Insel Saipan schweissen die Männer zusammen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die beiden Beschützer der Code-Sprecher mit einer furchtbaren Frage konfrontiert werden: Würden sie wirklich bis zum Äussersten gehen, um den Code zu schützen?
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Die Eröffnungsszene aus John Woos Windtalkers ist berauschend. Auf den sonnendurchfluteten Prolog, der den Navajo und "Codetalker" Ben Yahzee (Adam Beach) einen Bus besteigen und in den Krieg ziehen lässt, folgt die Einstellung einer Libelle auf den sanften Wogen eines Teichs. Ein Bild von trügerischer Idylle, das es zu zerstören gilt: Erst mischt sich ein roter Blutnebel in die Strömung, dann treibt der zerfetzte Kadaver eines Soldaten vorbei, schließlich drängt sich der feuerspeiende Lauf eines Maschinengewehrs ins Bild. Was folgt, ist ein Inferno apokalyptischen Ausmaßes: Feuerbälle, die den Dschungel verschlingen. Ohrenbetäubende Explosionen, die menschliche Körper in Stücke reißen. Und mittendrin: wilde, schmutzige, schreckverzerrte Gesichter.

Eines dieser Gesichter gehört Joe Enders (Nicolas Cage), der das Gemetzel als einziges Mitglied seiner Soldatentruppe überlebt - schwer verwundet und mit der Gewissheit, dass er seine Brüder im Kampfe hätte retten können, wenn er militärische Befehle nicht über Menschenleben gestellt hätte. Das Sterben seiner Kameraden, die ihn mit ihren letzten Atemzügen noch verfluchen, ist ein sinn- und ehrloses Sterben, frei von Glorie und Heldentum. Die nüchterne Erbarmungslosigkeit dieser Auftaktsequenz bleibt unerreicht im Rest des Films, der mit ihrem Ende - und damit eigentlich erst dem Anfang der Geschichte - bereits alles über Krieg gesagt hat, was es zu sagen gibt.

Das im hier rezensierten Director's Cut 147 Minuten lange Kriegsepos genügt sich aber selbstverständlich nicht mit diesem Auftakt, sondern lässt in den Folgestunden ein scheinbar endloses Bombardement aus atemberaubender Kriegsaction über sein Publikum hereinbrechen. Kämpfende, schießende, sterbende Körper - vor allem aber Körper, die sich in ständiger Bewegung befinden - inszeniert kaum jemand so kinetisch und druckvoll wie John Woo (Hard Boiled). Der historische Hintergrund von Windtalkers bietet ihm eine ergiebige Plattform zur Inszenierung dieses Körperkults - hier handelt es sich um ein einziges, nur sporadisch von Charaktermomenten durchsetztes Blutbad, das im Staccato-Tempo den gewalttätigen Konflikt sucht.

Wie in vielen (Anti-)Kriegsfilmen scheint dieser filmischen Abbildung  gleichzeitig aber auch eine (unfreiwillige?) Selbstbestätigung eingeschrieben zu sein - gerade unter Einbezug der effektiven Actiondramaturgie, welche nur den tödlichen Triumph über gegnerische Soldaten als Ausgang vorsieht. Auch in Windtalkers wird irgendwann siegreich getötet und ehrenhaft gestorben. Problematisiert man diese dem Genre inhärente Ideologie, bleiben dem Film irgendwann nur noch exzellente Actionchoreographien, die sich zunehmend in Redundanz verlaufen und vom emotionalen Einsatz in das Geschehen nur bedingt zusammengehalten werden.

In den Verschnaufpausen arbeitet der Film in bewährter Sorgfalt die üblichen Stationen des amerikanischen Kriegsfilms ab: Soldaten reißen homophobe Witzchen beim Kartenspiel, überwinden (teilweise) ihre rassistischen Feinbilder, und nehmen sich gegenseitig das Versprechen ab, im Todesfall des einen für die Familie des anderen zu sorgen. Dieser halbherzig hochgekochte Eintopf aus banalen Genre-Motiven schmeckt fad und sorgt meist nur für bleierne Langeweile. Lediglich in den gemeinsamen Szenen (und musikalischen Duetten) von Sergeant Ox (Christian Slater) und Private Whitehorse (Roger Willie), der eine Mundharmonika- und der andere Flötenspieler, gelingen dem Film kluge und durchaus auch berührende Momente zärtlicher Annäherung inmitten von Tod und Verderben.

Fazit

Nach einer einnehmenden Eröffnung gelingt John Woo in "Windtalkers" leider nur noch die Zurschaustellung seines Könnens als begnadeter Actionregisseur. Das emotionale Charakterdrama, vor allem aber die filmische Verhandlung von Krieg und kulturellen Berührungspunkten, bleibt zugunsten des tosenden Spektakels auf der Strecke.

Autor: Nikolas Friedrich

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