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Preisgekröntes Familiendrama von Noah Baumbach, das auf seinen Kindheitserinnerungen beruht und die Geschichte zweier Jungs im Brokklyn der 1980er Jahre zeigt, die unter der Scheidung ihrer Eltern (gespielt von Jeff Daniels und Laura Linney) zu leiden haben. Produzent ist Wes Anderson.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

In seinen Filmen beschreitet Noah Baumbach (Frances Ha) stets eine feine Linie zwischen kantiger Exzentrik, mit der er seine Figuren versieht, sowie feiner Emotionalität, die sich als universell fühlbare Einheit durch beinahe alle seine Werke zieht und dabei stets aus dem persönlichen Erfahrungsschatz des Regisseurs zu stammen scheint. Unglaublich interessant gerät diese Gratwanderung in Baumbachs Der Tintenfisch und der Wal, der für den New Yorker auf der einen Seite den kommerziellen Durchbruch bedeutete, welcher ihm eine wesentlich größere Aufmerksamkeit als zuvor bescherte, während gerade dieser Film auf der anderen Seite sehr stark durch Baumbachs eigene Jugend geprägt wurde und somit eine intime Schlüsselrolle im Schaffen des Regisseurs einnimmt. 

Der Regisseur erzählt die Geschichte einer Familie im Brooklyn der 80er Jahre, die auf eine klare Krise zusteuert. Eines Tages eröffnen Bernard und Joan ihren beiden Söhnen Walt und Frank, dass sie sich trennen werden, wobei das gemeinsame Sorgerecht gleichmäßig aufgeteilt werden soll. Schnell bilden sich aus dieser Situation zwei Lager heraus, denn während Walt eher zu seinem Vater hält, fühlt sich der jüngere Frank, der außerdem gerade am Anfang der Pubertät steht, eher zur Mutter hingezogen. Was in Der Tintenfisch und der Wal als Trennungsszenario errichtet wird, unter dem jedes der vier Familienmitglieder auf eigene Art und Weise zu leiden hat, ist jedoch nicht der Kern von Baumbachs Werk. Sicherlich umkreist der Regisseur auch jene Fragen, die sich unweigerlich im Zusammenhang mit solch einem Ereignis ergeben. Wer trägt die Schuld daran, dass eine langjährige Beziehung zerbricht, an welchen konkreten Faktoren lässt sich das Scheitern einer einst innigen Liebe festmachen und was bedeutet dieser folgenreiche Bruch in einer ehemals intakten Familie zukünftig für jedes Mitglied? Baumbach dürften diese Fragen und Gedankengänge keineswegs fremd gewesen sein, denn auch seine Eltern waren ganz ähnlich wie Bernard und Joan beruflich im literarischen Bereich verwurzelt, wodurch das Familienleben höchst wahrscheinlich durch einen sehr akademischen Erziehungsstil geprägt war, bei dem Kunst und Kultur ebenfalls eine große Bedeutung zukam. 

In Der Tintenfisch und der Wal führen die typischen Schuldzuweisungen, offenen Konflikte sowie unangenehmen Gesprächsthemen viel mehr dazu, dass die charakterlichen Eigenschaften der einzelnen Figuren zum Vorschein kommen. Bernard kommt dabei der Part des frustrierten Künstlers zuteil, der Schwierigkeiten hat, einen Verleger für seine Bücher zu finden, während sein eigentlicher Beruf als Literaturprofessor finanziell kaum ausreicht, um für das Wohl der Familie zu sorgen. Obwohl Joan wie die ruhige Seele in der Beziehung wirkt, die ihren Mann über die Jahre hinweg an künstlerischem Talent überholt hatte, ist sie diejenige mit der bereits vier Jahre andauernden Affäre und gilt daher für Walt als Auslöser der Trennung. Beide Söhne haben allerdings ebenfalls mit sich selbst zu kämpfen. Walt entwickelt sich immer stärker zu seinem eigenen Vater, was sich nicht nur im gleichen Frauengeschmack äußert, sondern auch in den narzisstischen Wesenszügen. Daneben weiß der 12-jährige Frank kaum, wohin er seine ganzen Gefühle kanalisieren soll, was zu einigen überaus peinlichen Zwischenfällen in der Schule führt. 

Baumbachs Gespür, vordergründig unsympathische Figuren mit viel Feingefühl zu balancieren, gelingt ihm hier so gut wie in kaum einem seiner anderen Filme, in denen er hin und wieder über das Ziel hinausschießt, wodurch die Figuren mitunter zu unausstehlichen Komponenten verkommen. Hier geht ihm der Umgang mit gleich vier dieser extremen Persönlichkeiten mit Leichtigkeit von der Hand, wobei er sein großartig ausgesuchtes Ensemble nicht nur in Szenen voller trockenem Humor aufeinanderprallen und auf mitunter beschämende Art an ihre intimen Grenzen stoßen lässt, sondern behutsam zueinander führt und emotionale Seiten entlockt. 

In Luft aufgelöst haben sich die Probleme und Konflikte in Der Tintenfisch und der Wal am Ende keineswegs, doch darum ging es dem Regisseur vermutlich gar nicht. Viel mehr hat er Menschen, die sich in der Thematik und den Charakteren erkennen und wiederfinden können, Anerkennung und Verständnis verliehen. Eigenschaften, durch die etwaige simple Lösungsversuche definitiv in den Schatten gestellt werden.

Fazit

Noah Baumbachs "Der Tintenfisch und der Wal" besticht als gefühlvolle Tragikomödie, in der der Regisseur die Folgen einer Trennung sowie die Auswirkungen auf die Familie auf ebenso nachdenkliche wie amüsante Weise betrachtet. Unter dieser Oberfläche glänzt der Streifen aber vor allem durch die exzentrischen, nicht immer einfachen Figuren, deren Inneres nach und nach entblättert wird, wobei Baumbach abschreckende Reibungspunkte genauso wie emotionale Zwischentöne bündelt. Für Freunde verschrobener, eigenwilliger Indie-Filme auf jeden Fall eine Entdeckung wert.

Autor: Patrick Reinbott

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