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Teddy Schu (Helge Schneider) hat es im Leben wahrlich nicht leicht... nur mit Mühe kann er sich und seine Frau Jaqueline (Susanne Bredehöft) mit mehreren Jobs über Wasser halten, die es ihm noch nicht mal dankt. Denn hat Teddy eine Leidenschaft und einen Traum - er will als Jazzmusiker voll durchstarten. Doch reicht es nur zu regelmäßigen Musikabenden in einem von der Pleite bedrohten Jazzclub. Als dieser vor dem Aus steht, sehen Teddy und sein Ensemble die Möglichkeit, einmal mit dem legendären Schlagzeuger Earl Mobileh zu spielen, in weite Ferne gerückt...
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Mit seinem vierten abendfüllenden Spielfilm versuchte Helge Schneider, endlich ein Herzensprojekt auf die Beine zu stellen, nachdem er mit "Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem" oder "Praxis Dr. Hasenbein" in eine fast antikomische Schiene investierte, die er anschließend so sehr verabscheute. "Jazzclub" sollte daher andere Wege bestreiten und fand sie in der Zugabe einer nachdenklichen Zwischennote, die lose an Schneiders frühe Musikerjahre vor seinem Durchbruch angelehnt ist.

Wer nun den typischen, debil grinsenden Helge erwartet, wird ihn zwar zu sehen bekommen - dürfte aber auch überrascht werden, wenn ihm ein recht ernstes Thema entgegenschlägt. So nimmt der Film durchaus autobiografische Züge an, der recht detailliert - wenn auch absurd überzeichnet wie gewohnt - den traurigen Alltag des Protagonisten in jungen Jahren beschreibt. Hier wird also nicht fröhlich auf dem Piano herumgeklimpert, sondern auch Zeitung ausgetragen und als Fischverkäufer mit Aalen um sich geschmissen. Als Sahnehäubchen verdingt sich Helge mit seinem spanischen Alter Ego als Gutenacht-Geschichtenerzähler sowie Mann für gewisse Stunden (Richard Gere wäre wohl neidisch geworden), was dann doch wieder grotesk überspitzt wurde.

Man darf also die etwas ernste Seite des Jazzkomikers betrachten und erkennt durchaus einen Grad an gelungener Melancholie. Mit einem Finale der Marke "Cheech und Chong" bewegt sich "Jazzclub" letztlich erneut in unerreichte Absurditätsgefilde, doch schafft es Helge als Macher und Darsteller unerwartet, filmisch hochwertige Züge in die Groteske zu mischen, so dass sich beim Zuschauer ein erwünschter Gefühlseffekt einstellt. Der tragekomische Charakter wird schon deutlich von des Meisters Schabernackhumor durchdrungen, und doch merkt man dem Film die herzallerliebste Aussage an, die Helge mittlerweile mit Humor nimmt - seinem Humor, etwa beim Einstopfen von tropfnassen Werbeblättchen in Hochhausbriefkästen, gepackt in eindeutige Aufnahmen oder gar atmosphärischer Beleuchtung. Was das für die Person Schneider bedeutet, lässt sich ganz einfach an einer Jamsession ablesen. Mit der Tastatur sich in den Sonnengläser spiegelnd, erlebt man Helge in einer recht langen Einstellung voll in seinem Element und bekommt darüber hinaus ein dickes Motiv für den Film serviert. Na, wer wird denn hier noch hochwertigen Film aus dem Hause Schneider zu sehen bekommen??

Kaum verändert hingegen: die Darsteller, die sich das Multitalent für seinen Film an Land gezogen hat. Mit seinem altbekannten Musikerensemble Sergej Gleithmann oder Peter Thoms als Pflasterverkäufer (!) erwartet den Zuschauer der üblich gewordene, infantile Humor, und wer hier einen aussagekräftigen Mehrwert findet, darf sich gerne hier melden. Um so größer die Augen, dass gestandene Schauspieler/innen wie Tana Schanzara ("Tatort", "Harold & Maude") oder Norbert Losch ("Das Urteil von Nürnberg") sich für den Nonsens haben buchen lassen, aber da Helge immer wieder für Überraschungen gut ist, spielt dies wohl weniger eine Rolle.

Fazit

Wer hätte das gedacht: Helge verlässt (zumindest teilweise) seine Nonsensspur und wird erwachsen. Mit "Jazzclub" beweist der Tausendsassa, dass er durchaus ernste Untertöne für einen Film finden kann, den er dann in seiner üblichen Art grinsend zur Schau stellt. Zwar ist der Film immer noch nicht mal ansatzweise Mainstream, aber setzt ein dickes Ausrufezeichen im künstlerischen Repertoire des Mülheimers. Das hält der Streifen zwar nicht komplett durch, sorgt aber mindestens für ein, zwei mitfühlende Gluckser

Autor: Sascha Wuttke

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