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Graf Dracula reist von seinem Heimatland Transsylvanien nach London. Auf der Suche nach frischem Blut zieht der zu einem Dasein als Untoter verdammte durch das bunte Nachtleben der Großstadt, wo er seine Opfer findet. Aber hier begegnet er auch Dr. Van Helsing , einem fanatischen Wissenschaftler, der dem grausamen Treiben des mörderischen Vampirs ein Ende bereiten will.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Was gleich auffällt, ist die musikalische Untermalung von James Bernard. Sie ist nicht nur von der ersten Minute an präsent, sondern besitzt beinahe eine navigatorische Funktion: Ein kraftvoll hämmernder Score, in dem das Unheil in jeder Note dräut; der stampft, bebt, tobt, der aber auch schleichen kann und so von einem Grauen berichtet, auf das die Menschheit kaum vorbereitet sein kann. Dabei versteht Dracula diesen Soundtrack als Wegbereiter und Stimmungsbarometer: Der Graf ist allgegenwärtig, sein Auftritt aber wird durch die Klangebene vorbereitet, akzentuiert und wirkungsmächtig ausgebaut. Und anhand der ausgefeilten Verwendung der Musik wird dem Zuschauer bewusst gemacht, mit was für einer erzähl-ökonomischen Effizienz Terence Fisher (Der Hund von Baskerville) die Geschichte des wohl berühmtesten Blutsaugers der Literatur- und Filmgeschichte angegangen ist.

Die legendären Hammer-Studios, die 2015 mit Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes ein letztes Lebenszeichen von sich gegeben haben, verstanden ihr Handwerk immer schon auf dem hochgradig wirtschaftlichem Arbeiten: Der beschränkte Rahmen an Möglichkeiten schien keine kreative Fessel darzustellen, sondern nur neue Inspiration freizulegen. Dracula ist dafür ein echtes Paradebeispiel, welches mit dem erwähnten Soundtrack beginnt, der selber einen narrativen Rang inne trägt und die Leerstellen, die sich das Drehbuch bei 79 Minuten Laufzeit erlaubt (respektive erlauben darf), auskleidet und beinahe unkenntlich macht. Als reichlich lose Adaption des Jahrhundertromans von Bram Stoker begnügt sich Dracula in diesem Fall indes nahezu ausschließlich damit, die Namen des Literatur-Klassikers zu übernehmen, um über diese eine ganz eigene Interpretation des arrivierten Stoffes anzufertigen.

Die Kompetenzen dieses Films liegen offenkundig in seiner äußeren Gestaltung: Wenn die Kamera zu Anfang auf einem architektonischen Element des Schlosses, einer Statue, verharrt, dann gerät der Zuschauer geradewegs mit einem Gefühl der Angst, der Beklemmung, in Berührung. Ohnehin ist es Dracula fast ausschließlich daran gelegen, seinen Horror über die Macht seiner Audiovisualität zu übertragen, wenn die warme Sonne auf einen sich durch die transsylvanischen Wälder schlängelnden Gebirgsbach fällt, gleichzeitig aber kein Vogelgezwitscher zu vernehmen ist, scheint das Idyll bereits getrübt und die Weichen für die kommende Begegnung mit dem Fürst der Finsternis gestellt. Und Christopher Lee (Der Herr der Ringe-Franchise) hat sich in der Rolle des übernatürlichen Wesen aus dem Schatten, wortwörtlich, unsterblich gemacht. Seine Performance ist charmant und animalisch zugleich, bestimmend und einnehmend.

Unvergesslich bleibt der Moment, in dem Lee zum ersten Mal die Eckzähne zum Vorschein bringt. Sicherlich ist gebürtige Londoner der Grundstein für den Erfolg und das Gelingen dieses Filmes, weil Lee die Jahrhunderte alte Nachtgestalt konsequent als Architekt unserer Urängste anlegt: Unsichtbar, doch immer anwesend. Ihm gegenüber steht mit Peter Cushing (Krieg der Sterne) ein nicht minder begnadeter Charaktermime, der seinen Vampirjäger Dr. Van Helsing mit intellektueller Ausdrücklichkeit ausstaffiert – und Dracula so zum Duell zweier Giganten des Weltkinos erklärt. Bei all dem schauspielerischen Glanz scheint es zuweilen etwas in Vergessenheit zu geraten, mit welcher schöpferischen Inbrunst die verschiedenen Handlungsschauplätze dieser Schauermär zum Leben erweckt wurden: Da wird aus Pappmasche vornehm erstrahlender und auffällig detaillierter Prunk. An derart haptischem Grusel wird man sich nie sattsehen können.

Fazit

Hochgradig stimmungsvoller Gothic-Grusel aus dem Hause Hammer, welcher noch einmal die produktions- und erzähl-ökonomische Effizienz dieser geschichtsträchtigen Studios unter Beweis stellt. Die Audiovisualität von "Dracula" ist durchweg einnehmend, das Handwerk beeindruckend, die Performance von Christopher Lee legendär. Ein Klassiker.

Autor: Pascal Reis

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