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Inhalt

Der Werkstattbesitzer Toshio, seine Frau Akie und ihre Tochter Hotaru leben eine oberflächlich gesehen harmonische Familienidylle im ländlichen Japan. Erste Risse in der Fassade zeigen sich, als Toshio den geheimnisvollen Yasaka als Aushilfe einstellt. Nach und nach wird die Familiengemeinschaft auf eine harte Probe gestellt.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Die Geschichte des Außenseiters, der in eine geschlossene Familie kommt, für Unruhe sorgt und letztlich Veränderungen mit sich bringt, die sich nie wieder rückgängig machen, ist ein bekanntes Thrillermotiv. Doch auch Dramen nutzen dieses Motiv einer äußerlich einwirkenden Macht auf einen geschlossenen Kosmos mit Vorliebe, weil dies fast immer einen emotionalen Umbruch impliziert. Harmonium von Regisseur Koji Fukada beschäftigt sich mit eben jener Thematik:ein Bekannter aus vergangener Zeit sucht eine dysfunktionale Familie auf und sorgt mit seiner Präsenz für positiven und negativen Umbruch. Fukada schafft es diesem altbekannten Thema aber trotzdem etwas Eigenes abzuringen, was nicht so sehr an den Twist und Turns liegt, die sich in den Lauf der Geschichte einschleichen, sondern an der hervorragenden Intensität, mit denen Harmonium seine Figuren behandelt.

Dass Harmonium aus dem unendlichen Pool an Außenseiterdramen heraussticht, ist allein schon an seiner Auszeichnung mit dem "Un Certain Regard"-Preis der Cannes-Jury abzulesen, den dieser 2016 gewann. Und tatsächlich: mit relativ bekannten Mitteln gelingt es Fukada ein erstaunlich intensives Drama auf die Leindwand zu bringen, das sich vor allem durch die Ruhe auszeichnen, mit denen es seinen Charakteren begegnet. Jede Figur wirkt realistisch, bekommt ihre eigenen Facetten und darf sich vor allem in der ersten Hälfte des Films nachvollziehbar entwickeln. Abgerundet wird dies dann durch das starke Schauspiel der Darsteller. Vor allem Mariko Tsutsui (The Call) als Mutter und Tadanobu Asano (Thor) dürfen in ihren Rollen brillieren, bringen sie die Zerrisenheit ihrer Figur doch stets eindringlich und realitätsnah herüber.

Besonders viel sollte man als Zuschauer nicht über die Geschichte des Films wissen, nur so kann sich die volle Wirkung von Harmonium entfalten. Und ja, dieser Film erreicht durch sein besonnenes Narrtiv, das manch einer sicher als langatmig beschreiben würde, im Mittelteil eine enorme Wucht, die den Zuschauer unvermittelt trifft. Harmonium ist kein Film für Zartbesaitete, die Weltsicht ist meist grau, die Stimmung bedrückt und sonnige Momente rar. Inszenatorisch ist das alles auf hohem Niveau eingefangen, gerade die Enge des Familienhauses bringt Fukada stets gelungen in beeindruckenden Bildern herüber. 

Nachdem der Film in der Mitte seinen starken Bruch hinter sich gebracht hat, fällt Harmonium jedoch ein wenig ab. Zwar bleiben vor allem Schauspiel und Inszenierung weiterhin ausgenommen stark (gerade die Inszenierung darf sich in Hälfte 2 ein wenig mehr austoben), doch das Hoch der ersten Hälfte will der Film nicht mehr wirklich erreichen. Inhaltlich macht die Fortsetzung der Geschichte absolut Sinn, doch gerade gegen Ende fällt auf, dass Fukada scheinbar nicht ganz genau weiß, wo und wie er die Geschichte beenden soll. Das mündet dann leider in ein realtiv unbefriedigendes Ende, das ein wenig am Gesamtbild dieses sonst ausgenommen starken Dramas rüttelt. 

Fazit

Koji Fukadas "Harmonium" hat 2016 ganz zurecht den Jurypreis von Cannes für sich beanspruchen können. Enorm stark gespielt, besonnen inszeniert und inhaltlich unheimlich wirksam, stich dieser Film aus dem Pool an Außenseiterdramen deutlich heraus. Die beeindruckende Art, mit der "Harmonium" seine Figuren behandelt, sorgt für große Realitätsnähe und eine dramatische Intensität, die sich vor allem in der Mitte des Films entfalten darf. Ein wirklich starkes Drama, in beinahe allen Belangen, das nur durch sein leicht unbefriedigendes Ende enttäuscht. 

Autor: Thomas Söcker

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