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Inhalt

Der idealistische junge Richter Steve Hardin verliert den Glauben an das Justizsystem, als er mehrmals offenbar schuldige Schwerverbrecher aufgrund von Formfehlern freisprechen muss. Sein älterer Kollege Caulfield berichtet ihm von einer Gruppe von Juristen, die für sich solche Fälle nochmals "verhandeln" und im Falle eines Schuldspruches Killer mit der Vollstreckung der Todesurteile beauftragen. Hardin schließt sich der Gruppe an, doch schon bald kommen ihm Zweifel am Tun des Geheimbundes. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kritik

Mit Unternehmen Capricorn (1978) und Outland – Planet der Verdammten (1980) konnte Peter Hyams durch sein Gespür für dramaturgisch effiziente Spannungsmomente die Aufmerksamkeit auf sich lenken und in Aussicht stellen, dass man mit ihm wohl einen Filmemacher gefunden hat, der auf versierte Art und Weise zukünftig einiges an Dynamik durch die Adern des Genre-Kinos pumpen wird. Mit Dynamik jedoch sind nun nicht sensationelle Kampfchoreografien und überbordende Effekte gemeint, sondern das stete Interesse, Erzählungen nachhaltig zu verdichten und den Zuschauer durch ein sorgfältig arrangiertes Narrativ mitzureißen. Dass Ein Richter sieht rot (1983) über weite Strecken der grundsätzlich attraktiven Handlung oftmals wie ein besserer TV-Spielfilm erscheint, liegt indes zum Teil auch in der Natur der Thematik. 

Allerdings macht Ein Richter sieht rot auch ersichtlich, dass Peter Hyams kein verlässlicher Universalkünstler auf dem Genre-Sektor ist, sondern nur in der Lage, strikt nach persönlichem Gusto ausgewählte Topoi zu veredeln. Die Geschichte um einen idealistischen Richter, der mehr und mehr an den Mühlen des formaljuristischen Wirrsal zerschellt und sich entscheidet, einem geheimen Zirkel beizutreten, der die (Fehl-)Entscheidungen ausbügelt, die die staatlichen Gerichte zu verantworten haben, scheint Peter Hyams zwar nicht vollkommen egal zu sein, sein Verständnis für Spannung und Dramatik gebiert sich aber nur äußerst selten aus ausgiebigen Unterredungsgesuchen. Und Ein Richter sieht rot benötigt diese Dialogsequenzen, anstatt, so wie es der deutsche Verleihtitel suggeriert, eine Verwandtschaft zur Exploitation zu pflegen.

Epizentrum ist ein gewohnt gut aufgelegter Michael Douglas (Black Rain), der als vom eigenen moralischen Pflichtbewusstsein in den Klammergriff genommener Richter am eigenen Leibe erfährt, was es bedeutet, wenn feurige Affekte wuchern und man plötzlich grundlegende Zweifel an einer Sache hegt, die doch immer als goldgeprägte Wahrheit das bisherige Leben bestimmte. Ein Richter sieht rot aber bleibt zu oberflächlich, zu eindeutig in seinen Lösungsansätze, als dass er etwas wirklich Substanzielles in Bezug auf die Vieldeutigkeit des Gesetzesapparates formulieren, noch als Meditation über das trügerische Wesen der Selbstjustiz standhalten könnte. Es liegt letztlich an Michael Douglas, der seinem Kadi immerhin reichlich strauchelnd anlegt, was das plakative Gebaren des Films ein Stück weit abfedert.

Fazit

Ein Richter sieht rot ist, gemessen an früheren Peter-Hyams-Verhältnissen, zwar recht enttäuschend, aber kein Totalausfall. Der thematische Ansatz über die Vieldeutigkeit des Gesetzes, welche auch den standhaftesten Ordnungshüter ins Wanken geraten lassen, hätte packender Katalysator werden können, um eine tiefgreifende Meditation über Selbstjustiz anzustimmen. Peter Hyams aber zeigt nur wenig Interesse an der Grundierung der Geschichte und macht aus Ein Richter sieht rot einen (gefühlt) besseren TV-Film, der sich immerhin auf einen gewohnt guten Michael Douglas zurückgreifen kann.

Autor: Pascal Reis

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