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Inhalt

Verlegersgattin Jeanne langweilt sich bei ihrem Mann Henri in der Provinzstadt Dijon und fährt häufig nach Paris, wo sie auch einen Liebhaber hat. Auf der Rückfahrt von einem dieser Ausflüge hat sie eine Autopanne und drängt sich dem Studenten Bernard auf, der sie nach Hause bringt. Henri fordert Bernard auf, mit anderen Gästen über Nacht zu bleiben. In der Nacht treffen sich Jeanne und Bernard zufällig im Park. Sie lieben sich und brechen in eine gemeinsame Zukunft auf.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Eifersucht quälte sie. Sie hatte Angst, dass der dünne Faden, an dem ihr bisheriges Leben noch hing, ganz zerschnitten werden könnte.“

Betrachtet man das Werk von Louis Malle aus der Retrospektive fällt auf, dass seine Filme im Vergleich zu Regiekollegen der Nouvelle Vogue immer ein Stück gewagter, ein Stück kritischer, waren. Mit seinem zweiten Spielfilm Die Liebenden (1958) sorgte Malle dann auch gleich für einen internationalen Skandal, ist die Sexszene der verheirateten Jeanne (Jeanne Moreau) mit dem Studenten Bernard (Jean-Marc Bory) Dreh-und Angelpunkt des Films und seiner Handlung. Im damals wie heute prüden Amerika wurde der Film vor Gericht gezerrt und auch in Deutschland lief er, hier allerdings an einer anderen Stelle gekürzt, unvollständig in den Kinos. So kommt man nicht umhin, den Film zeitgeschichtlich einzuordnen, denn inhaltlich lässt sich seine Brisanz nur noch erahnen, nicht aber nachvollziehen.

Es ist Jeanne, derer sich Louis Malle in diesem Film widmet. Die Frau eines Zeitungsverlegers dürfte eigentlich nicht unglücklich sein, ist sie doch finanziell unabhängig und kann im Haushalt auf Bedienstete zurückgreifen. Von ihrem Mann Henri (Alain Cuny) fühlt sie sich aber zunehmend isoliert, verbringt dieser doch scheinbar lieber Zeit in der lauten und muffigen Druckerei, denn bei Frau und Kind in der Villa auf dem Land. Um der Tristesse und Monotonie zu entkommen, besucht Jeanne in regelmäßigen Abständen ihre Freundin Peggy (Judith Magre), einem Pariser Mitglied der High-Society. Bei Polowettbewerben fällt ihr der charmante Raul (José Luis de Vilallonga) auf, dessen Annäherungen sie kaum widerstehen kann. Doch die so schillernde Fassade der Besitzenden, der Bourgeoisie, ist nur eine Fassade. Innerlich sind die Menschen so leer, wie die Phrasen, die sie trällern.

Malle lässt sich nicht dazu hinreißen, gesellschaftliche Missstände und das Ungleichgewicht offen zur Schau zu stellen und mit erhobenem Zeigefinder eben jene Missetäter aufzuzeigen. Seine Kritik ist subversiver Natur, es sind die kleinen Details am Bildrand, wie eine Frau, die die Mülltonnen nach Essbaren durchwühlt, während wir als Jeanne im Nobelschlitten vorbeigleiten, die eine klare Sprache sprechen. Dabei begibt sich Malle, selbst ein Spross eines reichen Industriellen, auf die Gegenseite, kritisiert den Reichtum, der scheinbar alle Emotionen verkümmern lässt.

Die Liebe der Bessergestellten zu dem mittellosen Studenten, auch eine reine Zufallsbegegnung, unterliegt dabei einem gewissen erzählerischen Kalkül, wirken doch die vorangegangenen Mitglieder der High-Society wie leblosen Marionetten ihres Besitzes. Da werden gerne auch Vergleiche zu Puppen gebracht, wenn Jeannes junge Tochter meint, ihre Haare seien wie die einer Puppe. Ein längerer Parisaufenthalt mit Friseurbesuch war vorangegangen. Malles Kritik an der Schere zwischen arm und reich bleibt bis heute scharf. Doch die Frage, ob man soziale Verbindungen und Verpflichtungen zu Gunsten des ultimativen Induvidualismus aufopfern sollte, überlässt er hier den Zuchauern.

Fazit

Klassiker der Nouvelle Vague, der bewusst gesellschaftskritischen Töne anschlägt. Jeanne Moreau brilliert in ihrer Rolle als gelangweilige Hausfrau und Mutter, die raumfüllende Sexszene im zweiten Drittel des Films hätte es aber aus heutiger Sicht nicht mehr gebraucht. Seinerzeit beeinhaltete diese aber gehörig Zündstoff.

Autor: Magnus Knoll

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