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Inhalt

Berlin in den 50er Jahren: Der 19-jährige Freddy Borchert lässt sein spießig-autoritäres Elternhaus hinter sich und hält sich als Anführer einer Jugendgang mit Diebstählen über Wasser. Sein Bruder Jan, den er zufällig im Schwimmbad trifft, ist begeistert von Freddys Lebensstil und lässt sich in die kriminellen Machenschaften der Gang verwickeln. Als ein Überfall auf ein Postauto scheitert, lässt sich Freddy von seiner Freundin Sissy überreden, in eine Villa einzubrechen. Ein Unternehmen mit dramatischen Folgen.

Kritik

Wie soll man bewusst auf Abwege kommen, wenn er die rechte Spur niemals bis ins eigene Bewusstsein vordringen durfte? Freddy Borchert (Horst Buchholz, Eins, Zwei, Drei) ist Anführer einer Bande Halbstarker und berühmt-berüchtigt für sein hitzköpfiges Gemüte. Wenn es Probleme gibt, dann holt Freddy zum ersten Schlag aus – und seine Vasallen ziehen mit. Jede einzelne seiner Handlungen lässt sich als einen Schrei nach Aufmerksamkeit und Anerkennung verstehen, eben jene Dinge, die ihm seit Kindertagen verwehrt geblieben sind. Sein Bruder Jan (Christian Doermer, Der Stern von Afrika) befindet sich in einem Zwiespalt: Er sieht die Ratlosigkeit seiner Eltern, weiß aber auch gleichermaßen, dass sich hinter dieser Ratlosigkeit ein nicht unwesentlicher Anteil an Achtlosigkeit befindet. Und doch fühlt er sich beiden Seiten emotional verpflichtet.

In seinem Themenspektrum ist Die Halbstarken von Georg Tressler (Geständnis einer Sechzehnjährigen) ein zeitloser und stilprägender Film. Er behandelt die Unzufriedenheit von Heranwachsenden, die nur in der Rebellion einen Ausweg aus ihrer tiefen Enttäuschung sehen. Freddie ist dafür ein Paradebeispiel: Er hat sich vollends von Vater und Mutter abgenabelt und sich mit seiner Clique eine Ersatzfamilie angeeignet. Ohne elterliche Führung und Zuneigung allerdings wird Freddy Zeit seines Lebens ein gezeichnetes Kind sein: Ein vergessenes, verlorenes Kind. Und die große Tragik dieser durchaus vielschichtig gezeichneten Figur ist, dass sie sich über diese Verlorenheit vollkommen im Klaren ist. Erst durch die Selbstreflexion, die den Hauptakteur abseits von Machoallüren zeigen, gewinnt Die Halbstarken an Kontur und Dimension. Freddy nämlich ist keine Karikatur, nein, er ist lebendig und damit ist er auch sterblich.

Der unverstellte Einblick in die zerklüftete Gefühls- und Gedankenwelt der Nachkriegsjugend ist der Grundstock, der Die Halbstarken zu einem Klassiker des deutschen Films erhoben hat. Was die zeitgenössische Kritik einst als Schonungslosigkeit definierte, ist in Wahrheit nur das genaue Beobachten eines Regisseurs, der sein Klientel und sein Milieu verstanden hat. Tressler weiß offenkundig, wie es sein muss, wenn man in einer Lebensphase angekommen ist, die sich vor allem durch die eigene Rastlosigkeit auszeichnet. Nachdem die unternommenen Versuche, irgendwie, irgendwo, irgendwann anzukommen, bis hierher gescheitert sind, scheint sich im Kern der Gruppe um Freddy und seinen Mitläufern vor allem ein Ballungsraum der Wut etabliert zu haben. Sich der gesellschaftlichen Ordnung nicht zu fügen, versteht sich als ehrenhaftes Gepräge der eigenen Persönlichkeit: Auflehnung als Ablassventil seelischer Vernachlässigung.

Wenn sich Die Halbstarken gegen Ende zum klassischen Heist-Thriller entwickelt und auf seine unausweichliche Katastrophe hinläuft, manifestiert Georg Tressler zwar seine Leidenschaft für das europäischen Kino, lässt das Charakter-Drama aber auch ein Stück weit verflachen, weil sich der Film hier vor allem für oberflächliche Spannungsmechanismen interessiert und die inneren Konflikte seiner Darsteller auf Abstand rückt. Authentisch allerdings bleibt dieser Film, eben wegen seiner Klarheit, die er aufbringt, wenn er sich den Leiden der Figuren widmet; ihre Bedürfnisse aufzeigt, ihre Rebellion hinterfragt und von Einsamkeit, Unausgeglichenheit und Zorn spricht. Besonders die schauspielerischen Leistungen von Horst Buchholz, Christian Doermer und Karin Baal (Lili Marleen) werden in Erinnerung bleiben. Sie opfern sich für den Film, auch wenn sie dafür im Rinnstein enden müssen. Vergänglich, vergessen und verloren.

Fazit

Mit "Die Halbstarken" hat Georg Tressler einen zeitlosen und stilprägenden Einblick in die zerrüttete Gefühls- und Gedankenwelt der Nachkriegsjugend entworfen. Mag der Film im letzten Drittel auch ein wenig verflachen, so ist dieser Klassiker des deutschen Films immer noch ein authentischer, gut gespielter und sehenswerter Eintrag in die nationale Kulturlandschaft.

Autor: Pascal Reis

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