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Spätwerk von Mario Bava. Die Sightseeing Tour einer Touristin entwickelt sich zum Horrortrip.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Der Teufel wirkt so stark und übermächtig, dass das restliche Bild unvollendet wirkt.“

Geblendet vom Antlitz des vermeidlichen Beelzebub irrt die bezaubernde Elke Sommer („Ein Unbekannter rechnet ab") zunächst durch die verwaisten Straßenschluchten von Toledo, später durch das verworrene Labyrinth eines verwinkelten Herrenhauses, durchgehend in einem irritierenden Fiebertraum aus Wahnsinn und/oder Übernatürlichem, merkwürdigen Zufällen oder Verwechselungen (?) mit schließlich tödlichen Folgen.

Kultregisseur Mario Bava („Blutige Seide“) hatte mit „Lisa und der Teufel“ keinen sonderlich großen Erfolg, was seinen Produzenten (und Co-Autor) Alfredo Leone dazu bewegte, den Film für den US-Release drastisch zu verändern, um ihn als „The House of Exorcism“ im Fahrwasser von „Der Exorzist“ mitschwimmen zu lassen. Ein noch größerer Flop, da dies natürlich von den Kritikern erkannt und gnadenlos vernichtet wurde, darüber hinaus selbstverständlich dem eigentliche Geist der Films, der in seiner ursprünglichen Form rein gar nichts mit Exorzismus zu tun hat und von vornherein eher nicht für den massenkompatiblen Geschmack produziert wurde, überhaupt nicht gerecht wird. Bava bedient hier nicht übliche Genre-Sehgewohnheiten (speziell nicht die des US-Publikums oder des Mainstream), bewegt sich auch für den bewanderten Zuschauer des europäischen Horrorfilms nie (oder zumindest lange nicht) in richtig klaren Mustern, was gerade den Reiz seines Werks ausmacht. Damit drückt Bava zwar nicht an jeder Stelle die unbedingt richtigen Knöpfe und wer nach einer hundertprozentig logischen, schlüssigen Geschichte Ausschau hält, wird sie definitiv nicht finden. „Lisa und der Teufel“ lebt klar von der Inszenierung, von der gewohnt herausragenden Bildsprache seines Regisseurs und diesmal sogar von den Darstellern, was bei Bava und dem italienischen Genrefilm generell eher nicht der Fall war.

Elke Sommer ist als verstörtes Hascherl nicht nur eine Augenweide, sie weiß ihre Rolle tatsächlich ansprechend zu verkörpern; was in dem Fall eigentlich nur heißt, wie in Trance durch einen Albtraum zu taumeln, die Dinge geschehen zu lassen, immer in dem Glauben, dass der mysteriöse Spuk irgendwann ein Ende hat, man endlich aufwacht. Klingt nicht nach und ist auch kein großes Schauspiel, erfüllt jedoch total seinen Zweck. Die Grand Dame des Horrorfilms Alida Valli („Suspiria“) ist ebenfalls mit von der Partie und überzeugt auch eher durch Präsenz, das prägnante Gesicht des Films ist allerdings fraglos Telly Savalas („Kojak – Einsatz in Manhattan“), der hier kurz vor seinem großen TV-Durchbruch schon mal die Lollies rundlutschen darf (in der deutschen Synchro – entstanden nach dem Serienstart bei uns – gibt er übrigens mehrfach „entzückend“ von sich). Seine Rolle als offenbar manipulativer, undurchschaubarer Strippenzieher im Hintergrund ist nicht nur am dankbarsten, er spielt sie mit sichtlicher Freude, verleiht ihr eine süffisante Boshaftigkeit. Davon ist das Gesamtwerk grundsätzlich geprägt, die handelnden Personen scheinen wie hilflose Schachfiguren in einem teuflischen Spiel mit unbekannten Regeln und komplett offenem Ausgang. Eine Anleitung besteht nur rudimentär, relativ wild hantiert Bava mit Elementen des Suspense- und Whodunit-Thrillers, expressionistischen Horrorfilms, Reinkarnation-Märchens und bald inzestuösen Familiedramas ("Psycho" lässt grüßen). 

Dabei wird es mitunter etwas zu theatralisch und gestelzt, gleichzeitig überrascht der Film im späteren Verlauf mit einigen rüden Gewaltszenen, die für das Genre sicherlich nicht ungewöhnlich, im Kontext der Geschehnisse dennoch fast unverhofft aus dem Hut gezaubert werden und in ihrer drastischen Art kurz für einen Oha-Moment sorgen. „Lisa und der Teufel“ lässt sich schwer in eine Schublade einordnen, was ihm positiv anzurechnen ist, kann er doch bis zur finalen Pointe nicht gänzlich vorhergesehen werden. Interpretationsspielraum selbst nach dem Abspann reichlich inbegriffen, dafür muss der Zuschauer gleichzeitig in Kauf nehmen, dass hier wieder mehr die Umsetzung im Vordergrund steht als die Geschichte an sich. Die fasziniert, stützt und schützt sich natürlich durch seine Hintertür, nicht alles erklären zu müssen…oder zu können. Letztlich kommt es darauf aber nicht an. Mit einigen Abstrichen ist Mario Bava ein surreales, diabolisch-böses Puppentheater mit wunderschönen Bildmontagen gelungen, dem Telly Savalas den nötigen Schuss darstellerische Klasse verleiht.

Fazit

Eine abstrakte Schauergeschichte, bei der Wirkung vor narrativem Geschick steht. Mario Bava spielt seine Stärken aus und verkauft die leicht wirre Mischung verschiedenster Subgenre-Bausteine als sonderbares Kleinod, bei dem Fans des Regisseurs und von Filmen dieser Gattung klar auf ihre Kosten kommen. Wie so oft, der neutrale, wenig aufgeschlossene Zuschauer der modernen Gangart dürfte sich hierbei nicht wirklich aufgehoben fühlen…aber der wird die Existenz dieses Films wohl eh kaum zur Kenntnis nehmen.

Autor: Jacko Kunze

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