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Die besorgniserregende Entwicklung der Ereignisse, die durch Thanos in Gang gesetzt wurde, als er die Hälfte des Universums auslöschte und die Reihen der Avengers zerbrach, bewegt die verbliebenen Avengers dazu, ein letztes Mal in den Kampf zu ziehen in Marvel Studios‘ großem Abschluss von 22 Filmen, „Avengers: Endgame“.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Elf Jahre ist es nun her, dass sich ein milliardenschwerer Philanthrop in eine Blechschale geworfen hat und als selbsternannter Superheld dem Kinopublikum die Pforten zum Marvel Cinematic Universe öffnete. In diesen elf Jahren haben sich sage und schreibe mehr als 30 Gefährten gefunden, die sich dem Kampf gegen regionale, nationale oder gar intergalaktische Bedrohungen angeschlossen haben und seit jeher Seite an Seite den jeweiligen Widersachern die Kauleiste polieren. Mit Avengers: Infinity War haben Anthony und Joe Russo dem Publikum bereits einen gelungenen Anfang vom Ende serviert, doch nun gilt es dieser Ära des Superheldenfilms einen ehrenwerten Abschluss zu verpassen. Ganz beendet ist die vierte Phase des MCU damit zwar noch nicht, doch heißt es für alle Fans von Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans) und den vielen anderen Urgesteinen des Franchises Abschied nehmen. Mit Avengers: Endgame schlägt nun das letzte Stündchen des berühmtberüchtigten Helden-Clans – beziehungsweise die letzten drei Stündchen.   

Nachdem die letzte Schlacht der Avengers einen bitteren Beigeschmack bei allen Beteiligten hinterlassen hat, setzt Endgame nun direkt dort an, wo sein Vorgänger die Zuschauer entlassen hat. Das Team ist geschwächt, deprimiert und sehnt sich gleichermaßen nach Vergeltung wie auch Wiedergutmachung. Wo Infinity War noch die Vereinigung aller Figuren zelebrierte, trumpft Endgame mit einem wesentlich düstereren Ton auf. Generell entpuppt sich der Verlauf der Handlung als eher ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist hier jedoch keineswegs etwas Negatives, sondern bringt etwas Erfrischendes, gar Experimentelles mit sich. Denn während sich das erste Drittel sehr viel Zeit mit der Exposition lässt und wie ein in Melancholie getränktes Drama wirkt, schlägt die Handlung im zweiten Drittel in eine Art pfiffigen Heist-Movie um, in dem dann auch wieder der altbekannte Marvel-Humor etwas mehr von der Leine gelassen wird, bevor schließlich der große Endkampf anklopft. Wer sich also zuvor beschwert hat, dass im MCU viel zu häufig die Ernsthaftigkeit mancher Szene mit einem Gag zerstört wurde, der hat hier eine etwas klarere Trennung.  Klingt auf dem Papier komisch, funktioniert aber erstaunlich gut.

Gespickt sind diese sehr unterschiedlichen Akte dabei immer wieder mit kleinen herzerwärmenden Momenten, die zeigen, welche Figuren den Filmemachern an wichtigsten sind oder auch einfach nur ihren längst überfälligen Großauftritt verdient haben. So gibt es immer wieder kleine Überraschungen über die drei Stunden verstreut, die nur so vor Charme trotzen und das mittlerweile enorm komplexe Universum nochmals um einige liebenswerte Facetten verdichten. Manche dieser Momente sind wie bereits erwähnt sehr melancholisch, manche mit ordentlich Pathos überzogen und manche wiederum punkten mit selbstreferenziellem Humor, Anspielungen auf die jüngste Popkultur oder indem sie Figuren, die das Publikum einst als stocksteif und grimmig kennengelernt hat nun als kleine Spaßvögel hervorbringen. Wer zudem die meisten Filme des MCU gesehen hat, der wird obendrein mit dem einen oder anderen gewieften Gag belohnt. Die dadurch entstehende Vielfalt ist es, die dem Streifen letztendlich seine wohlverdienten Sympathiepunkte einbringt. Die Russo Brüder machen also wieder das, was sie immer machen, nur etwas anders und etwas besser.

Bei der enormen Figurenriege wird sich dabei zunächst auf eine Handvoll Figuren konzentriert. So bekommt beispielsweise Scott Lang aka Ant-Man (Paul RuddMute) nun seinen im wahrsten Sinne des Wortes ganz großen Auftritt, nachdem er während den Vorfällen von Infinity War von der Bildfläche verschwunden war. Anders als erwartet überzeugt Endgame demnach zunächst auf eine ruhige und entschleunigte Art ohne viel Brimborium. Dieses wurde sich nämlich bewusst für das große Feuerwerk am Ende aufgespart. Ohne zu viel zu verraten wirft man im Finale alles auf das Schlachtfeld, was das MCU in den letzten elf Jahren hervorgebracht hat. In der exorbitant großen Mixtur and Superhelden bieten sich natürlich zahlreiche Möglichkeiten an, Thanos (Josh Brolin - Sicario) und sein Gefolge nicht nur in die Schranken zu verweisen, sondern dies auch auf eine überaus elegante und staunenswerte Weise zu tun. Ein Schlagabtausch von Tag-Team-Manövern, die zudem gekonnt die Gadgets einbeziehen, die im Vorgänger etabliert wurden. Treu nach dem Motto: Neue Partner, neue Möglichkeiten. Das Finale von Endgame ist einfach nur purer Action-Spaß in voller Bandbreite.

Fazit

"Avengers Endgame" ist eine Gratwanderung zwischen Kreativität und Absurdität, Wagemut und Konvention, Mäßigung und Bombast. Die Russos haben das Ende einer Ära geschaffen, das vielfältiger kaum sein könnte. Mit viel Liebe für die Figuren, dem Herz am rechten Fleck und einem explosiven Abgang erhalten die Avengers den würdevollen Abschied, den sie verdienen. Ein Abschied, der sich richtiger kaum anfühlen könnte. In diesem Sinne bleibt nur noch zu sagen: Avengers, es war schön mit euch.

Autor: Oliver Koch

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