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Als eine rein männliche Gaunerbande bei einem Raubzug komplett das Zeitliche segnet, springen ihre Witwen ein und machen da weiter, wo ihre Verflossenen aufgehört hatten.
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Kritik

Mit gerade einmal einer Handvoll Filmen hat es das Multitalent Steve McQueen bereits geschafft sich von seinem berühmten Namensvetter zu lösen und eine eigene inszenatorische Note zu evozieren. Stets zeichneten sich McQueens Arbeiten durch eine intensive Auseinandersetzung mit sensiblen Themen aus. Sei es durch die emotionale Darstellung von Sexsucht in Shame, die philosophische Auseinandersetzung mit Folter aus Hunger oder seine oscarprämierte Betrachtung der Sklaverei in 12 Years a Slave – jedes Projekt, dass McQueen anfasste, strotze neben toller Inszenierung samt starker Darstellerleistungen vor allem vor riesengroßem Selbstbewusstsein. Dass dieses Selbstbewusstsein berechtigt ist, beweist McQueen auch mit seinem zynischen Krimidrama Widows - Tödliche Witwen.

Basierend auf einer britischen Mini-Serie aus den 80ern und geschrieben von der Romanautorin Gillian Flynn (Gone Girl – Das perfekte Opfer) liegt es nicht fern Widows - Tödliche Witwen als kleines Epos zu beschreiben. So umfasst McQueens neustes Werk neben den titelgebenden Witwen sowie ihrem aus der Not geborenen Geldraub auch noch eine Riege an kriminellen Handlangern, reiche, einsame Architekten, verlorene Söhne, verzweifelte Eltern und Kinder sowie eine politische Ebene um Colin Farell (The Killing of a Sacred Deer) und Brian Tyree Henry (Hotel Artemis). In gerade einmal 128 Minuten lädt sich Widows - Tödliche Witwen  eine Menge Plots und Subplots, samt umfangreicher Charakterzeichnung auf, die locker für 800 Seiten Buch oder 10 Folgen Miniserie ausgereicht hätten.

Und dies ist vermutlich auch der einzige große Kritikpunkt an diesem hervorragenden Film, den man, als bedingungsloser Optimist, aber auch in ein Lob umdrehen kann. Während andere Filme unter einer ähnlichen narrativen Last nämlich bereits im ersten Akt zusammengebrochen wären, verliert Widows - Tödliche Witwen zwar hier und da das Gleichgewicht und den narrativen Fokus, entwickelt aber trotz dieser Stolpersteine einen ungemein packenden Filmrhythmus. Klar, das hier ist kein Film, den man mal eben nebenbei schauen kann – der Zuschauer ist durch die Fülle an Figuren, Plot, Intrigen und Machenschaften zu absoluter Aufmerksamkeit gezwungen, diese wird durch das straffe Pacing zum Schluss aber nachhaltig belohnt.

Neben dem für die Inhaltsfülle beachtlichen Pacing, in dem McQueen es vollbringt den Spannungsbogen des Films sorgfältig, aber packend immer weiter aufzubauen, kompensieren vor allem die Inszenierung des Briten sowie die geniale Darstellerriege von Widows - Tödliche Witwen einige inhaltliche Fehlerlein. Das bereits angesprochene Selbstbewusstsein des Regisseurs kommt auch bei Widows - Tödliche Witwen nämlich wieder voll zur Geltung. Wie unheimlich besonnen und doch packend McQueen die Szenerien des Films und das Schauspiel seiner Darsteller zelebriert, sie in einfallsreiche und zugleich mitreißende Kamerafahrten hüllt, formt aus Widows - Tödliche Witwen ein auf technischer Ebene unheimlich elegantes Erlebnis. Ob nun eine Verfolgungsjagd, eine aufgeladene Konversation oder ein einfacher Rapsong, McQueen verleiht seinem Film eine solch ansprechend inszenierte Düsternis, das man als Zuschauer gar nicht anders kann als sich komplett in der Leinwand zu verlieren.

Atmosphärisch ist das sicherlich kein einfaches Erlebnis. Die enorm zynische Darstellung von politischen und kriminellen Machenschaften sowie der Egoismus und die Grausamkeit der Figuren, können nachvollziehbar einige Zuseher abschrecken. Doch McQueen und Flynn gelingt es jede Situation mit solch einer unterschwelligen Intensität zu würzen, dass man trotz Fluchtreflex einfach nicht aus seinem Kinosessel herauskommt, sondern sich sogar noch tiefer in diesen eingräbt. Mit den titelgebenden Witwen um Viola Davis (Suicide Squad), Michelle Rodriguez (Fast & Furious 8) und Elizabeth Debicki (Guardians of the Galaxy Vol. 2) spendiert der Film dem Zuschauer zudem eine Reihe an einnehmend gespielten Sympathiefiguren, die das Seherlebnis deutlich erleichtern. Manch einer könnte da zwar behaupten, dass McQueen ein in diesem Kontext wenig den konsequenten Schwanz einzieht, wenn das restliche Filmerlebnis aber so mitreißend gestaltet ist wie hier, fällt es nicht schwer auch darüber hinwegzusehen.

Fazit

Droht Steve McQueens "Widows" noch hier und da unter der narrativen Last aus Plot, Figuren und politischem Subtext einzuknicken, kompensieren Regisseur und  Cast diese Stolpersteine mit einem wahrlich beeindruckenden Selbstbewusstsein. Stark gespielt, einnehmend inszeniert und trotz der narrativen Überfülle unheimlich rhythmisch erzählt, gelingt McQueen mit „Widows“ einer der intensivsten und atmosphärisch dichtesten Blicke in die Abgründe von Mensch und System, die das Jahr zu bieten hat. Unbedingt anschauen.

Autor: Thomas Söcker

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