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Claus und Evi Müller-Todt, er Schönheitschirurg, sie Gartenarchitektin, leben im sorglosen Wohlstand. Als eine neue Haushälterin für die Villa gesucht wird, gibt Claus eine Anzeige mit der Überschrift "Sklaven gesucht" auf. Was als Witz gemeint war, führt dazu, dass sich Bartos und seine Frau Lana im Leben der Müller-Todts einnisten. Mit ungeahnten Folgen.

Kritik

Da ist er. Der wohl dreisteste, hämischste und zum Schreien komischste deutsche Film des Jahres. Oskar Roehler, den man nun wirklich nicht mögen muss, hat ihn inszeniert. Roehler, ein bewusster Provokateur, der sich einen Ruf geschaffen hat, der seinem Namen weit vorauseilt. Er spaltet, er nervt, er begeistert - uninteressant wird es wahrscheinlich jedoch nie. Nach dem nervtötenden und gleichzeitig völlig kernlosen Tod den Hippies!! Es lebe der Punk inszeniert der Filmemacher hier eine bissige Groteske, in der er der deutschen Schickimicki-Gesellschaft mal ordentlich die Meinung geigt. HERRliche Zeiten ist ein Film, der bereits in seiner Vermarktung recht breitbeinig aufgetreten ist - und dann leider ziemlich unterging. Desto wichtiger ist diese Lobhudelei, die zwar ein paar Monate zu spät kommt, aber dennoch eine klare Empfehlung an das Publikum sein möchte.

Im Zentrum des Films stehen vier Personen. Das Ehepaar Claus und Evi Müller-Todt. Er Schönheitschirurg, der vor allem Fettabsaugungen an „Wampen“ vornimmt, Porschefahrer, dekadenter Hirni, braun gebrannt, mit einem tiefen „Hehehehe"-Lachen. Sie Gartenarchitektin, auch nicht die Hellste, irgendwo in der Hippie-Zeit steckengeblieben, und sei es, weil sie sich ihr Hirn weggekifft hat. Augenscheinlich beide neureich, ansässig in einer Wohngegend der Oberschicht. Ihr Nachbar ist ein muslimischer Scarface-Verschnitt der Parties der Menschenverachtung und sexuellen Gewalt feiert. Claus, dessen Putzhilfe mit den Worten „Räumt euern Scheiß in Zukunft selber weg“ ihren Beruf quittiert, sucht im Internet scherzhaft nach Haussklaven. Auftauchen tut das andere Pärchen im Kern der Geschichte, bestehend aus Bartos und Lana. Er williger Diener, sie aufreizende Heiltherapeutin. Dargestellt werden die vier Menschen von Lize Feryn (The White Queen), Samuel Finzi (Der Hauptmann), Katja Riemann (Fack ju Göhte 1-3) und Oliver Masucci (Dark), dessen Leistung man einen kompletten Absatz widmen sollte.

Gesagt, getan. Regisseur Roehler hat mit Oliver Masucci einen der wohl charismatischsten deutschsprachigen Darsteller unserer Zeit als Geheimwaffe - und er weiß, sie einzusetzen. Versehen mit einem „herrlischen“ Akzent („Und es wacht Lischt.“ oder „Wattattadenn?“ für Was hat er denn? (Er weint.)), der irgendwo zwischen Loriot und dem unsäglichen RTL-Nachmittagsprogramm angesiedelt ist. Ein herrlich unsympathischer Bonze, der in seinen engen weißen Hosen mit seinem Becken spielt, die größten Weingläser der Welt schwingt und mit dem Glanz seiner Haut über die Leere seines Kopfes hinwegtäuschen will. Herr Müller-Todt ist Achzt (Arzt) und als solcher bestimmt nicht dumm - aber er ist in seinem bequemlichen Oberschichten-Gelaber derart unmenschlich geworden, dass das parodistische Abziehbild, das Roehler und Masucci hier entwickelt haben, nicht nur die Lachmuskeln fordert, sondern auch treffend in seiner Künstlichkeit ist. Hut ab.

Es ist diese Künstlichkeit der Figuren, die sich immer wieder in das Bild einer selbstgebauten Realität dieser elitären Idioten fügt. Der Claus hat sich an seinen Lebensstil, an seine Dekadenz gewöhnt. Er hat es sich bequem gemacht und trennt sich von weniger gut Betuchten ab; den Tieren - jenen, die schlechte Arbeitsbedingungen gewohnt sich und bei einer Besserung bloß verwirrt wären. Die Gastarbeiter (man erweitere, Ausländer, Flüchtlinge) werden behandelt wie unliebsame Tiere: Nicht füttern, sonst kommen sie immer wieder. Lieber niemals Gutes tun, wenn das bedeuten würde, dass man regelmäßig Gutes tun müsste. Lieber Unsummen in der nächsten Party versenken. Die moderne Sklaverei wird selbstverständlich irgendwann gegen die Herrscher gerichtet. Schließlich gehorchen die Leute nur so lange, wie sie die Elite fürchten. Und so benehmen sich die Müller-Todts wie die grauenvollen Herrscher, vor denen die anderen geflüchtet sind. Wie die grauenvollen Herrscher, die andere Menschen im Geheimen zerstückeln oder öffentlich köpfen lassen und daraus ein Event machen. Für die allabendliche TV-Unterhaltung und Gelegenheit zum Elendstourismus oder die bequeme Unterstreichung der Selbstbeweihräucherung. Und das, ohne aufzustehen.

Fazit

Mit „Herrliche Zeiten“ hat Oskar Roehler einen herausragenden Film abgeliefert. Die groteske Komödie besticht durch das unfassbare Schauspiel seines überschaubaren Kaders (allen voran: Oliver Masucci) und seinem Mut dazu, dem bequemen Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Unangenehm wird es hier - erst manchmal und dann immer öfter - und retten tut den Zuschauer dabei nur das Wissen, dass er sich über die Hauptfigur des Films stellen kann. Moralisch und (hoffentlich) intellektuell. Doch wahrscheinlich würde schon diese Heraufwürdigung gegenüber den Müller-Todts beim Roehler auch bloß ein verächtliches Seufzen bewirken. Der hatte seinem Publikum nämlich Einiges zu sagen. Es sollte ausnahmsweise zuhören.

Autor: Levin Günther

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