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In einer nicht allzu fernen Zukunft kommt es auf einer Raumstation im Erdorbit zu einem folgenschwerer Unfall. Bei einem Experiment mit einem Teilchenbeschleuniger geht etwas furchtbar schief, und plötzlich ist die Erde verschwunden...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Dass der Franchise-Grundstein Cloverfield von 2008 länger im Gedächtnis blieb, hatte er nur zu geringen Anteilen seiner konzeptionellen Zusammensetzung aus Found-Footage, Katastrophenfilm und Kaiju-Horror zu verdanken. Auch die konkrete Umsetzung der Idee ließ einiges zu wünschen übrig, da sie zu weiten Teilen aus nichts weiter als Wackelkamera und sinnlosem Geschreie bestand - diese offensichtlichen Schwächen des Films wurden auch ausgiebig in der Doppelfolge Pandemic von South Park (S12E11) parodiert. Was dem Film erst sein eigentliches Momentum gab, war die vollkommen ausufernde alternate reality Werbekampagne, die beispielsweise mit kryptischen Hinweisen auf die Websites fiktionaler Konzerne hinwies und mittels unzähliger Details potenziellen Zuschauern das Gefühl vermittelte, in eine grandios ausgefeilte Welt eintauchen zu können... wenn man sich nur den Film anschaut.

Dieses Versprechen blieb natürlich unerfüllt, hallte aber laut genug nach, um den Eindruck zu erwecken, dass Plotholes nur ein Mangel an verfügbarer Information sein müssten. Der Nachfolgefilm 10 Cloverfield Lane von 2016 war ein solider Thriller, widmete sich seinen übernatürlichen Elementen jedoch erst in den letzten 15 Minuten und änderte die Bedrohung dabei fast nebensächlich von "Tiefseemonster" zu "Aliens" ab. Trotzdem erneuerte der finanzielle und kritische Erfolg (beides hat er zu weiten Teilen dem herausragenden John Goodman zu verdanken) das Interesse an dem Franchise. Auch hier ließ man das Publikum mit einer Reihe drängender Fragen zurück, die es - wenn überhaupt - erst in einem Sequel beantwortet kriegen würde. Bei einer Werbesendung des Superbowls 2018 wurde dann bekannt gegeben, dass der dritte Teil namens Cloverfield Paradox überraschend und unmittelbar auf Netflix veröffentlicht werden würde (wir berichteten). Wer sich nun erhofft, einen echten Zusammenhang für die beiden vorhergehenden Filme zu bekommen wird jedoch enttäuscht werden.

Tatsächlich trug der Film ursprünglich den Namen The God Particle und hatte so rein gar nichts mit irgendwelchen Monstern, seien sie nun Kaijus oder Aliens, zu tun. Allerdings kam der Film bei Testscreenings schlecht weg und so entschied man sich kurzerhand das Ding mit ein paar nachträglich gedrehten Szenen zu einer Art Prequel für die beiden anderen Cloverfields umzugestalten. Diese Einfügungen sind mal mehr und mal weniger geschickt gestaltet - gerade die letzten Sekunden des Films sind einfach nur lächerlich - und sind insgesamt ziemlich unbefriedigend. Eine schwerwiegende Störung im Gewebe der Realität ist als Rahmen für die Story nur ein billiges plot device, eine Ausflucht um alle vergangenen und künftigen Inkohärenzen und Diskontinuitäten hinweg zu erklären, als eine wirkliche Erweiterung der Geschichte. Das wäre aber für sich genommen noch nicht besonders schlimm. In gewisser Weise wäre es sogar ein sehr interessantes Konzept, auf den Zwang von Kohärenz zu verzichten und Cloverfield nur als Label für eine Anthologie von Filmen zu nutzen, die sich auf der experimentellen Seite von Horror und Science-Fiction bewegen und nur durch einzelne Bildelemente miteinander verbunden sind.

Das entschuldigt jedoch noch keineswegs, dass diese fadenscheinige Erklärung der gestörten Realität auch herhalten muss, um so gut wie jede einzelne Szene des Films zu legitimieren. Nüchtern betrachtet sind diese nämlich lediglich eine willkürliche Anordnung von Ereignissen, die weniger Konsequenz aus Vorhergehendendem sind und wiederum Resultate für die weitere Handlung liefern, sondern eine bloße Abarbeitung "typischer" Sci-Fi-Szenen. Da gibt es Anleihen an die Chestburster-Szene aus Alien, einen existenziellen Konflikt wie am emotionalen Höhepunkt von Moon oder auch den obligatorischen riskanten Weltraumspaziergang. Für sich genommen sind diese Szenen nicht einmal schlecht ausgeführt, sie sind letztlich nur ziemlich zusammenhangslos und ohne jegliche Pointe. Das hat leider zum Effekt, dass man sich nicht weiter in den Film vertieft, während man ihn sieht, sondern immer weiter zurück zieht.

Trotz all dieser Beschwerden sollte gesagt sein, dass der Film zumindest an seiner Oberfläche doch einige Qualitäten hat. Beispielsweise hat der Film gemessen an seinem Budget ziemlich überzeugende Special Effects und insgesamt einen sehr schönen Look.  Der Cast besteht aus einigen soliden Talenten wie Chris O'Dowd (The IT Crowd, FAQ About Time Travel), Gugu Mbatha-Raw (Black Mirror - San Junipero, Dido Elizabeth Belle) und Daniel Brühl (Inglorious Basterds, Rush), die sich hier redlich Mühe geben ihre schwach ausgeprägten Figuren mit einigem Charme auszustatten und dabei sogar erfolgreich sind. Bis auf Mbatha-Raws Charakter werden diese jedoch leider ohne jeglichen Hintergrund oder Entwicklung ausgestattet und werden immer wieder aus heiterem Himmel durch hanebüchene Ereignisse wie spontan und lokal auftretenden Hyper-Magnetismus von den Drehbuchschreibern ermordet. Wenn das jetzt sehr abrupt und plump klingt, dann spiegelt es sehr gut wieder, wie der Film vorgeht. Die wichtigste Lektion, die man wohl aus The Cloverfield Paradox lernen kann, ist, dass sich auch unterdurchschnittliche Filme einen Namen machen können, wenn sie nur von einer recht cleveren Werbekampagne umgeben sind.

Fazit

Trotz solidem Cast und größtenteils guten Special Effects kann "Cloverfield Paradox" nicht verdecken, dass er nur nachträglich und notdürftig zu einem Eintrag im Franchise umgemodelt wurde. Das wäre für sich genommen noch kein allzu großes Problem, aber durch dünn gezeichnete Charaktere und die absolute Willkür der Handlung wird die suspension of disbelief  letztlich so überstrapaziert, dass man auch während der spannendsten Szenen zunehmend das Interesse verliert.

Autor: Sören Jonsson

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