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Inhalt

Mathilda Zachary Lilian Gish und ihre Kinder bewirtschaften eine kleine Farm in Texas. Der Zusammenhalt der Familie wird auf eine harte Probegestellt, als bekannt wird, dass Tochter Rachel Hepburn nicht Mathildas eigenes Kind, sondern indianischer Abstammung ist. Einer ihrer eigenen Brüder stellt sich gegen Rachel, und die weißen Nachbarn gehen auf Distanz.Als die aufgebrachten Indianer das verlorene Stammesmitglied zurückfordern und einen Angriff auf die Farm vorbereiten, kommt es zurKatastrophe ...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es ist ein komplexes Unterfangen, die Lebenswirklichkeit der Hauptfigur nicht zum ideologischen Maßstab des Wertemodells des gesamten Filmes zu erklären. John Ford (Rio Grande) hat es in Der schwarze Falke aus dem Jahre 1956 mit Bravour verstanden, den Film nicht vom inbrünstigen Rassismus einnehmen zu lassen, der von Ethan Edwards ausgeht, den John Wayne hier in einer seiner besten Karriereleistungen verkörpern sollte. Stattdessen zeigte John Ford, dem Zeit seines Schaffens ebenfalls immer wieder nachgesagt wurde, rassistische Tendenzen in seinem Auftreten zu pflegen, das Menschen mit derlei rückständigen Geisteshaltungen keinen Platz in dieser Welt zugesprochen wird: Wenn in der letzten, ikonischen Szene die Tür, durch die Ethan gerade noch geschritten ist, ins Schloss knallt, dann ist dies ein endgültiger Ausdruck von Protest gegen jede Form der Diskriminierung.

Mit Denen man nicht vergibt versucht sich der überlebensgroße Filmemacher John Huston (Der Schatz der Sierra Madre) an einem ähnlichen Ansatz und möchte die Abarten des Rassismus im Wilden Westen beleuchten, nur, dass es in diesem Fall eine weiße Siedlerfamilie ist, die vor Jahren ein Mädchen indianischer Abstammung in ihrem Schoß aufgenommen hat – mit dem Unterschied, dass sich weder das Mädchen, Rachel ihr Name (Audrey Hepburn, Frühstück bei Tiffany) und inzwischen zu einer attraktiven jungen Frau herangewachsen, noch die Familie Zachary dieser Gegebenheit bewusst sind. Das Ergebnis ist ein formschönes, ohne Zweifel, allerdings geht Denen man nicht vergibt genau die aufwühlende Strahlkraft ab, die John Ford in seinem Meilenstein Der schwarze Falke von Anfang bis Ende freizulegen wusste. Die Gründe dafür scheinen fast schon zu offenkundig.

Denn wie berichtet wurde, soll es hinter den Kulissen zu permanenten Auseinandersetzungen zwischen John Huston und seinem Hauptdarsteller, Burt Lancaster (Verdammt in alle Ewigkeit) gekommen sein: Während Huston den vorausgehenden Roman The Unforgiven von Alan Le May nutzen wollte, um der Wurzel des Rassenhasses in den Vereinigten Staaten auf den Zahn zu fühlen, waren Lancaster und seine Produktionsfirma zuvorderst daran interessiert, einen Film zu erschaffen, der sich der Massenperspektive des Publikums einschmeichelt. Herausgekommen ist dabei ein Film, der gewissermaßen zwischen den Stühlen sitzt; der sicherlich nicht nur schlichtes Unterhaltungskino darstellt, dem aber abseits sein anmutigen Bildkompositionen die Tiefe und Vielschichtigkeit fehlt, um als unsterblicher Klassiker in die Annalen der Filmgeschichte einzuziehen. Dass Denen man nicht vergibt dennoch funktioniert, begründet sich (dennoch) mit der unumstößlichen Qualität aller Beteiligten.

Rassismus ist auch in Denen man nicht vergibt eine Anwandlung von Schmerz und Angst. Vor allem am von Audie Murphy (Die gnadenlosen Vier) kongenial gespielten Cash Zachary lässt sich die Hilflosigkeit eindrucksvoll ablesen, die der rassistischen Überzeugung vorausgeht: Stringent darauf konditioniert, alles und jeden anzufeiden, der indianisches Blut in seinen Adern trägt, wird sein persönlicher Kampf am deutlichsten, wenn er sich schlagartig dazu gezwungen sieht, das in seinen Augen „Böse“ als sein eigenes Fleisch und Blut zu akzeptieren. Murphy, der hier jenseits von Glanz und Gloria agiert, gelingt es bisweilen sogar, die autoritäre Präsenz des begnadeten Burt Lancaster in den Schatten zu stellen – schade, dass es John Huston nicht in Gänze möglich war, seine Version des The Unforgiven-Stoffes umzusetzen, denn allein der Charakter des Crash wäre interessant und packend genug gewesen, um die zweistündige Laufzeit adäquat zu füllen.

Stattdessen macht es sich Denen man nicht vergibt etwas zu einfach. Sicherlich verfügt der Film über eindrucksvolle Szenen, allein inszenatorisch kann sich der Western als eines der großen Breitwanderlebnisse seiner Zeit beschreiben lassen. Die Konflikte, die John Huston anspricht (und ergründen wollte), aber lassen sich zu oft mit Gewalt aus dem Weg räumen: Wenn gegen Ende das Trommeln der Indianer mit einem Stück von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Klavier quittiert wird, scheint hier beinahe eine Form des kulturellen Verständigung über die Wege der Kunst zu erfolgen, nur um danach in ein Schlachtengetümmel auszuarten, in dem mit dem Tode Unzähliger auch die Probleme im sandigen Staub der texanischen Weiten begraben werden. Immer wieder jedoch gibt sie es, die Einkehr, wenn der Ton harscher, die Bilder schmutziger, die Beklommenheit dominanter wird: Was, wenn wir den Kampf für uns entscheiden, aber niemand mehr übrig ist, der uns vergeben könnte?

Fazit

An die großen Meisterwerke von John Huston reicht "Denen man nicht vergibt" kaum heran, dafür lief offenkundig hinter den Kulissen zu viel schief, als dass sich der Western reibungslos zum Meilenstein des Genres erheben könnte. Der Film macht es sich sicherlich etwas zu einfach, allerdings ist er hervorragend inszeniert, verfügt über einige memorable Szenen und besitzt ein hervorragend Ensemble – allen voran Audie Murphy, der hier seine vermutlich eindrucksvollste Leistung abruft.

Autor: Pascal Reis

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