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Juni 1944: Der britische Premierminister Winston Churchill steht vor einer epochalen Entscheidung: Soll er den Einmarsch der Alliierten Streitkräfte in das von Nazi-Deutschland besetzte Europa befehlen? Erschöpft durch den jahrelangen Krieg ist Churchill nur noch ein Schatten des einstigen Helden, der sich Hitlers Blitzkrieg widersetzte. Er befürchtet, dass man sich an ihn nur als den „Architekten des Blutvergießens“ erinnern wird, falls die D-Day-Operation scheitert. Soll er seinem Gewissen folgen oder sich der Kriegsräson ergeben? In den dramatischen Tagen vor der Invasion ist seine Frau Clementine als wichtige Ratgeberin an seiner Seite. Wie niemand sonst versteht sie es, sein impulsives und aufbrausendes Temperament resolut und liebevoll zugleich zu zügeln. Doch die Anspannungen der Kriegsjahre haben in ihrer Beziehung tiefe Spuren hinterlassen. Und so steht auch ihre Ehe in diesen Tagen vor einem Wendepunkt.

Kritik

Das volle Ausmaß der patriotischen Befangenheit von Jonathan Teplitzkys gravitätischer Lektion in Personenkult offenbar sich erst nach der finalen Abblende. Da mutmaßt eine Texttafel, Winston Churchill (Brian Cox) sei der größte Brite aller Zeiten. Ein Staatsmann, der eine der desaströsesten Kampagnen des Ersten Weltkriegs verantwortete, den Imperialismus vorantrieb und mit Verachtung auf „anderes“ blickte, seien es andere Kulturen, Gesellschaftsschichten oder das andere Geschlecht, wird noch höher aufs ideologische Podest gehievt. Wer sind schon Shakespeare, Elizabeth I., Florence Nightingale, John Lennon oder George Orwell? Der schrieb nicht lange nach dem Handlungsjahr, wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit. 

Diese Beobachtung trifft perfekt den moralischen Korrektureifer der behäbigen Großaufnahme eines militärischen Entscheidungsmoments, in dem Churchills Rolle marginal und unrühmlich war. Trotzdem ist er der tragische Held der Geschichte. Pathetische Allegorien, menschelnde Jovialität und fiktive Schlüsselszenen verklären seine Charakterfehler zu Stärken. Die interessante Frage der öden Fußnote ist da noch, wie viel Heroismus bereits im Skript angelegt war, denn ironischerweise schreibt Drehbuchautorin Alex von Tunzelmann nebenher eine Kolumne, die sich mit filmischer Faktentreue befasst. Ihr eignes Werk wäre ein lohnendes Studienobjekt dafür. Der Plot manipuliert weniger durch Falschdarstellung als die groteske Uminterpretation von Fakten. 

Starrsinn wird zu Integrität, Reaktionismus wird zu Humanismus und Arroganz ist Seelengröße. Die ziert einen Politiker, der erst 1943 den Tod von Millionen mitverschuldete. Aber da waren die Opfer Inder, nicht Großbritanniens „fine young men“. Um Zweite sorgt sich Herr Premierminister ebenso wie seine adrette Sekretärin Helen (Ella Purnell), die mit Mrs. Churchill (Miranda Richardson) das Geschlechterbild prägt. Frauen stehen hinter den Männern, nicht auf einer Stufe mit ihnen, und sind schon vom Abtippen eines Briefes überfordert. Churchills Unfähigkeit hingegen markiert seine vermeintlich überlegene Haltung. Wie hieß es bei Orwell? Ignoranz ist Stärke.

Fazit

Überzeugende Schauspielleistungen und passables Filmhandwerk dienen dem zweifelhaften Heldenbild als Werkzeuge einer absurden psychologischen Makulatur. In ihrem Heroisierungseifer folgen die Filmemacher offenbar dem berühmten Zitat des Titelhelden:  "We will never surrender!“ Das nächste Churchill-Biopic steht schon in den Startlöchern.

Autor: Lida Bach

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